Gestern erreichte mich eine traurige Nachricht, aufgrund derer ich heute eine grosse Bitte an alle Familienmitglieder eines Trans*Menschen habe:

Bitte unterstützt eure Familienmitglieder und verstosst sie nicht nur weil Sie Trans* sind! Es kann dabei wort wörtlich um Leben und Tod gehen!

Warum schreibe ich dieses?

Wir hatten in unserer Selbsthilfegruppe einen tragischen Fall: Eine Trans*Frau (Mitte 40) wurde jahrelang in Ihrem kirchlichen Elternhaus von Ihrem älteren Bruder unterdrückt. Wir wurden von ihr eingeladen um sie zu unterstützen, ihr Bruder hat uns mit Hinweis darauf, dass es ein gläubiges Haus sei, raus geworfen und weitere Kontakte – auch per Telefon – unterdrückt.

Die Trans*Frau war aufgrund Ihrer Situation schon dem Alkohol verfallen um überhaupt noch einigermassen klar zu kommen. Nun mussten wir leider in der Zeitung lesen, dass sie verstorben ist und im Familienkreis beerdigt wurde,

Wir wissen zwar noch nicht was wirklich geschehen ist, vermuten aber aufgrund des seelischen Zustandes entweder Selbstmord oder Tod aufgrund des Alkohols.

Dies zeigt leider wieder einmal sehr deutlich, dass der Leidensdruck bei Trans*Menschen enorm werden kann!

Trans*Menschen sind nicht krank wegen ihrer Transsexualität sondern werden krank aufgrund der Reaktionen Ihrer Umwelt- insbesondere  ihrer familiären Umstände. Leider ist dies kein Einzelfall: Es gibt unzählige Fälle, wo sich Eltern, Geschwister, Ehepartner und Kinder von Trans*Menschen abwenden weil sie mit so einem „Perversen“ nichts zu tun haben wollen.

Dazu sage ich: Wer sich in so einer Situation – insbesondere auch noch mit Hinweis auf die Kirche abwendet ist der eigentlich Perverse. In der Bibel steht du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ist das kirchliche Nächstenliebe? Wohl kaum.

Ja es ist für keinen einfach damit klar zu kommen. Aber gestattet mir die Frage:

Wenn schon beim Thema Trans* so ablehnend in der Familie gehandelt wird, wie würden diese Menschen dann reagieren, wenn die Person stattdessen schwer pflegebedürftig oder geistig behindert wäre? Wahrscheinlich mit Abschiebung ins Heim.

Also nochmals die Bitte: lehnt Eure Eltern, Kinder, Partner oder Geschwister nicht ab, nur weil sie Trans* sind. Sie brauchen gerade dann Eure Unterstützung auf Ihrem ohnehin schon schweren Weg. Holt Euch Rat bei Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen und sorgt dafür dass die Betroffenen ebenfalls diese Stellen aufsuchen. 

Wer sich stattdessen abwendet oder die Person gar noch unterdrückt muss sich moralisch eine Mitschuld an dem Freitod der Person anrechnen lassen.

Die Selbsthilfegruppen und auch ich helfen gern mit Rat und Tat, man muss uns nur lassen.

Liebe Grüsse

Dina Quasdorf

Kategorien: Allgemein

Dina Quasdorf

Dina

Ich bin psychologische Beraterin, verheiratet und selbst betroffen. Ich habe meine PAE 2017 durchgeführt, nachdem ich mehrere Jahre schon privat als Frau und seit 2016 auch beruflich als Frau gelebt habe. Zusätzlich zu der Ausbildung zur Psych Beraterin habe ich diverse Kurse über Endokrinologie, S3 Leitlinien, GaOP-Methoden an der Akademie für Urologie absolviert.